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BeitragVerfasst: Do 31. Mär 2011, 11:51 
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Wohnort: Wien/Echsenbach
Unsere Wünsche sind Vorgefühle der Fähigkeiten, die in uns liegen, Vorboten desjenigen, was wir zu leisten imstande sein werden.

Johann Wolfgang von Goethe


Felix Wankel war ein großer Freund der Dichtkunst, und seine Interessensgebiete reichten weit über jene der Technik und Physik hinaus. Er hat nur einen Bruchteil dessen erreicht, was er sich vorgenommen hat, und doch hat er die Kultur des Fahrzeugbaus auf erfrischende Weise bereichert. Er war auch ein genialer Querdenker mit einem vorzüglichen Witz, wobei man wiederum Goethe zitieren könnte: Das Gleiche lässt uns in Ruhe, aber der Widerspruch ist es, der uns produktiv macht. Und Goethe war keineswegs nur ein weltfremder, beschaulicher Dichter, sondern ein hoch aktiver Naturwissenschafter.

Schade, daß in der Formel 1 - der angeblichen Königsklasse - herzlich wenig von diesem Spirit zu erkennen ist. Man sieht zwar ab und zu, wie sich einer raushaut, man hört immer wieder ein paar schlaue oder auch weniger schlaue Sprüche zu hochwichtigen Themen wie Stallorder und Boxenstopp-Strategie, aber wo bleibt die große technische Challenge, wo wirklich noch ein Jeder versucht, mit seinen eigenen Einfällen das beste mögliche Ergebnis herauszuholen? Speziell bei den Motoren wurde von "Oben" Stillstand verordnet (auf wessen Betreiben, das wäre ein weiteres diskussionswürdiges Kapitel). Wir haben zwar immerhin schon das KERS als Tribut an den Innovationsgeist ("Hybrid for speed..."), demnächst werden wohl noch Turbolader dazukommen, die nebenbei als Generator arbeiten, aber trotzdem: Durch die starren Vorgaben hinsichtlich Zylinderzahl, Kraftstoffaufbereitung, Ventilzahl sowie -winkel et cetera bleiben kaum noch Möglichkeiten, konzentriert an der Optimierung der Leistungsfähigkeit der Motoren zu arbeiten. Höhere Leistungsfähigkeit kann ja auch bedeuten: Geringerer Verbrauch bei gleicher Leistung. Abgesehen davon, daß man unter den gegebenen Voraussetzungen gar nichts Anderes als einen Hubkolbenmotor bauen kann, um an einem Formel 1-Grand Prix teilnehmen zu können. Warum eigentlich?

Ich finde, DAS gehört geändert, denn dann könnte auch der Wankelmotor ins Spiel gebracht werden, der bis jetzt da völlig im Abseits stand. Daher kam bereits vor über einem Vierteljahrhundert von kompetenter Seite (Professor Indra) ein Vorschlag, der mit einem Schlag alle Diskussionen um Hubraum, Ladedruck, Turbofaktor ja/nein, Funktionsprinzip u. Ä. aufgehoben hätte: Laßt alle Motoren mitfahren, die technisch möglich sind, ABER: Gebt ihnen ein Treibstofflimit vor. Es soll der Motor gewinnen, der die Kraftstoffmenge am besten nützt. Und das wäre ja wohl auch bei den Straßenwagen ein vornehmliches Ziel.

Man kann sich leicht vorstellen, was die Folge gewesen wäre. Nichts erfüllt einen Fahrzeug-Ingenieur so sehr mit Stolz, als wenn seine Schöpfung die Formel 1-Weltmeisterschaft gewinnt. Und der Bauteil im Rennwagen, wo man den größten Nutzen für die Serienproduktion ziehen kann, ist halt nun einmal der Motor. Die ganzen Flügelentwicklungen, die eine Geschwindigkeit brauchen, die man im normalen Leben fast nie fährt, damit sie überhaupt eine Downforce produzieren - das ist doch alles Schall und Rauch. Und sonst sind die Möglichkeiten für die Pionierstellung des Rennsports ziemlich ausgeschöpft. Man kann vielleicht noch vermehrt auf Kohlefaserteile bei Rahmen und Karosserie setzen, um einige Kilos und Liter einzusparen - wenn man sich's leisten kann - aber sonst war's das.

Beim Motorenbau liegen hingegen noch viele Möglichkeiten, aus dem Energie-Input mehr herauszuholen und letztendlich zu sparsameren Fahrzeugen zu gelangen, was ja einen immer höheren Stellenwert bekommt. Und das wird sicher noch leichter und besser gelingen, wenn man in alle Richtungen hin forschen kann und der Anreiz ein entsprechend hoher ist. Der ist naturgemäß in der Formel 1 extrem hoch, und es ist ja an sich der ureigenste Zweck des Rennsports, für zukünftige Serienstandards die Vorarbeit zu leisten. Mit einer Formel 1, bei der die Energieeffizienz die höchste Priorität wäre und sonst freie Wahl bei der Motorentechnik bestehen würde, würde man das ideale Sprungbrett schaffen für kommende Fahrzeuggenerationen, bei denen es auf niedrigste Verbrauchswerte ankommt. Ob das dann weiterhin ein Hubkolben-Viertakter sein wird oder ein Zweitakter (Sechstakter gibt es angeblich auch schon), ein Kreiskolbenmotor, eine Turbine oder halt sonst Irgendetwas, das ist ja im Prinzip egal. Idealerweise würde man auf mehrere verschiedene Funktionssysteme setzen.

In den Wankelmotor wurde nie so viel Entwicklungskapazität hineingesteckt wie in den Viertakt-Hubkolbenmotor, der noch dazu 80 Jahre mehr Zeit hatte, um perfekt zu werden. Trotzdem konnte der Wankel seinen Rückstand in der letzten Zeit bedeutend reduzieren. Da könnte noch Einiges kommen!

_________________
Den entrollten Lügenfahnen folgen alle Schafsnaturen.

Wankel zitiert Goethe.


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